Begriffe rund ums Leinen ||
Pflegehinweise für Leinenstoffe ||
Weiterverarbeitungen des Leinens ||
Eigenschaften von Leinengeweben ||
Webarten für Leinengewebe ||
Nutzung von Leinenstoffen ||
Verwandte Materialien ||
1 - Begriffe rund ums Leinen
- Bauerleinen
Leinengewebe aus schweren gröberen Garnen mit meist unregelmäßiger Struktur durch ab und zu auftretende Garnverdickungen. Gewichte zwischen 280 und 450 g/m². Auch wenn solche Leinen heute maschinell gewebt werden, entsprechen sie doch in der Wirkung und Haltbarkeit oft den Handgewebten Leinen welche die Flachsbauern früher für ihren eigenen Bedarf webten.
- Chinaleinen
Chinaleinen oder Grasleinen nannte man früher Gewebe aus Ramie. Im Rohzustand heißt diese hochwertige ‘Bastfaser’, die hauptsächlich in China angebaut wird, auch ‘Chinagras’. Die besondere Faserlänge und Feinheit erlaubt das Spinnen feinster Garne und das Verweben zu hauchfeinen Gespinsten beispielsweise Voile mit Gewichten zwischen 65-75 g/m².
- Crash-Leinen
Crash die englische Bezeichnung für ‘Zusammenstoß’ steht für eine zerknittert wirkende Stoffstruktur, wie sie dem ‘Panné Samt’ oft verliehen wird. Der ‘Longcrash’ ist dabei eine Knitterung die nur über die Länge der Stoffbahn vorgenommen wird. Leinen knittert allerdings von Natur aus. Das nachträgliche gewollte ‘Crashen’ ist bei Leinen praktisch, um aus der Not eine Tugend zu machen.
- Englisch-Leinen
Englisch-Leinen ist ein Typus von Blumendrucken auf Leinen oder Halbleinen. Kreiert wurde dieser im Umfeld des englischen Landhausstils in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
- Fischerleinen
Es sind dicht gewebte Leinenstoffe in 180 bis 250 g/m² bei denen die ‘Kettfäden’ in feinen Farbschattierungen mit drei bis sieben Nuancen innerhalb eines begrenzten Farbbereichs dem Leinen eine kaum merkliche Längsstreifung geben. Die verschiedenen ‘Kettfarben’ wurden früher meist aus Restgarnen oder Fehlfarben zusammengestellt und es entstand daraus ein gebrauchstüchtiger, unempfindlicher und billiger Hemdenstoff den vor allem die Fischer als Arbeitskleidung bevorzugten.
- Flachs
Flachs, mitunter auch Flax wird synonym für Leinen verwendet. Dabei wird mit Leinen das gewebte Tuch bezeichnet und als Flachs die auf dem Feld stehende Pflanze oder auch die daraus gewonnene Faser.
- Gmeinder Leinen
Das ‘Gminder Leinen’ ist ein einfarbiger fester Baumwollstoff in Leinwandbindung. ‘Gminder Leinen’ wird traditionell als Stoff für Kostüme, etwa im Theater-, im Brauchtumsbereich oder als Handarbeitsstoff und Stickgrund verwendet. Der Name ‘Gminder’ ist der Familienname des Produzenten, der ehedem diesen Stoff in der Textilstadt Reutlingen in Baden Würtemberg bis 1967 produzierte. Die damalige Qualität war ein garngemischtes Halbleinen Baumwoll-Hanf oder Baumwoll-Flachs. Nach Einstellung der Produktion in Reutlingen haben andere Webereien diesen Stofftyp einige Jahre weiterproduziert, jedoch nur noch in 100 %-Baumwolle. Der Name ‘Gminder Leinen’ wurde beibehalten, und der Stoff wurde auch als ‘Gminder Leinen’ - Cotton gekennzeichnet. Die Leinenweber bieten ‘Gminder Leinen’ - Cotton in zwei Gewichtsklassen an, mit der neuen Möglichkeit, jeden gewünschten Farbton schon ab 20 Metern zu realisieren.
- Gerstenkorn-Musterung
Die Gerstenkornmusterung ergibt sich aus der besonderen Webart, die bevorzugt im märkischen Raum genutzt wurde und traditionell von Henni Jaensch-Zeymer übernommen wurde.
- Grasleinen
Synonyme Bezeichnung für Chinaleinen.
2 - Pflegehinweise für Leinenstoffe
- Bügeln
Leinen sollte bei 220°C gebügelt werden. Das Bügeln ist einfacher, wenn dem letzten Spülgang Spülstärke hinzugefügt wurde. Sollte immer angefeuchtet oder mit einem Dampfbügeleisen gebügelt werden.
- Fleckenentfernung
Fleckenentferner sollten vermieden werden, da es zu hellen Scheuerstellen kommen kann. Empfehlenswert ist es, das Kleidungsstück vollständig zu waschen. In der chemischen Reinigung kann Leinen mit allen üblichen Lösungsmitteln behandelt werden.
- Trocknen
Vor dem Trocknen sollte der Leinenstoff in Form gestreckt werden und ganz normal aufgehängt werden. Vorsicht mit den Wäschetrocknern! Nur Trockner für Flachheizkörper benutzen. Außerdem kann Leinen im Trockner getrocknet werden. Beachten Sie bitte immer die Angaben des Herstellers!
- Waschen
Leinen kann man grundsätzlich kochen. Bei Färbungen sollten die Hinweise beachtet werden. Leinenstricksachen lassen sich bei 40°C waschen. Bei höheren Temperaturen können diese einlaufen. Das feuchte Lagern sollte gemieden werden, da Stockflecken entstehen können. Befüllen Sie die Waschtrommel nur halb und waschen Sie mit viel Wasser, damit die Leinenfaser quellen kann. Damit können Sie sich das bügeln erleichtern. Leinen kann man grundsätzlich kochen. Bei Färbungen ist aber Vorsicht geboten. Das Chloren von Leinen ist erlaubt.
- Waschmittel
Es empfiehlt sich Waschmittel ohne optische Aufheller zu verwenden, da Naturfasern nach häufigem Waschen heller werden. Unser Tipp: Color-Flüssigwaschmittel für schwarze Textilien verwenden.
3 - Nutzung von Leinenstoffen
- Bleichen des Leinen
Nach dem Ernten zeigt die Flachsfaser einen grau-beigen Naturton, der aber durch Licht und Sauerstoff ausbleicht bis fast zu reinem Weiß. Deshalb hat man früher die Leinentuche zum Bleichen intensiver Sonnenbestrahlung ausgesetzt. Später hat man die Flachsgarne oder verwebten Tuche mit Chlor gebleicht. Aus Umweltschutzgründen verwendet man heute nur noch ‘sauerstoff-gebleichtes’ Leinen. Das Bleichen von Leinen ist problematisch. Vollbleiche führt zu Gewichtsverlusten von bis zu einem Fünftel. Das Färben von Leinen ist im Garn oder am Gewebe möglich. Das Blau der Berufsbekleidung ist auf das Färbeverhalten des Leinens zurückzuführen, das nur mit Indigo einigermaßen echt gefärbt werden konnte.
- Leinengewebe
Eingesetzt werden sie traditionell für Bett- und Hauswäsche. In dieser Nutzung wurden sie von der billigeren Baumwolle verdrängt. Neue Einsatzgebiete wie Kleidung und Dekorationsstoffe kommen hinzu, besonders in Form handgewebter hochpreisiger Produkte. Leinen wird als Bezugsstoffe für Bucheinbände verwendet, außerdem für Schuhe und Taschen. Namensgebend waren Leinenstoffe zum Bespannen für Leinwände in der Malerei.
- Leinenhemden
Leichte Hemden aus Leinen. Leinenhemden sind bequeme und besonders leicht und lässig zu tragende Hemden für Herren und Damen. Die aus dem Flachs gewonnene Naturfaser verleiht den kurzärmligen oder langärmligen Leinenhemden den besonderen Look und eine sommerliche Eleganz.
4 - Weiterverarbeitungen des Leinens
- Garnfärbung
Leinengewebe können nach dem Weben am Stück eingefärbt werden. Bei der ‘Garnfärbung’ wird ein bereits auf der Spule gefärbtes Garn verwebt. Dabei ist dann meistens noch eine zweite (Bicolor) oder dritte (Tricolor) Garnfarbe mit im Spiel, um dem Gewebe ein farblich lebendig schattiertes Bild zu geben.
- Leinenhanddruck
Der Handdruck ist das älteste Textildruckverfahren. Die ursprünglichste Technik, nämlich der Druck mit Modeln aus Holz und Metall mit denen die Farbe auf den Stoff gestempelt wird, war zunächst in China und dann in Indien kultiviert und verfeinert worden. Im 20. Jahrhundert wurde im kunstgewerblichen Rahmen der Stoffdruck mit Modeln aus Linoleum, Gummi, Schaumgummi und Kartoffeln ausprobiert. Heute werden von Hand ausgeführte Sieb- oder Filmdrucke als Handdrucke bezeichnet.
- Modeldruck
dazu Leinenhanddruck.
- Nadelstreifen
Nadelstreifen sind die feinen hellen Streifen die einem dunkelgrundigen ‘Kammgarnstoff’ aus Wolle oder einem feinen Leinenstoff aus ‘nassversponnenen’ Garnen den männlich seriösen Chic geben. Nadelstreifen werden nur von zwei ‘Kett’fäden gebildet - manchmal auch nur von einem - und sehen deshalb wie mit der Nadel gestichelt aus.
- Reaktivfärbung
Die Reaktivfärbung basiert auf der chemischen Reaktion von zwei Komponenten und entwickelt sich erst während der Färbevorgangs. Sie ist sehr viel weniger umweltbelastend als die früher gebräuchlichen Färbemethoden mit Schwermetallen. Die Reaktivfärbung hat deshalb als Zertifizierung auch das Siegel ‘Ökotex 100’ erhalten. Unsere farbigen Leinen werden ausschließlich mit Reaktivfarben gefärbt.
- Rupfen
Rupfen nennt man ein derbes, relativ lockeres leinwandbindiges Gewebe aus ungewaschenen Jute oder Flachsgarnen. Gebleicht oder uni eingefärbt wird es als Wandbespannung oder als Stoff für Dekorationen, ungebleicht auch in der Polsterei verwendet. Gewichte zwischen 180 und 220 g/m².
- Spinnen von Leinen
Grobe Garne können trocken versponnen werden. Aus dem Hechelwerg, den kurzen Faserresten, wird das Werggarn hergestellt. Mittelstarke Garne müssen halbnass gesponnen werden, das Vorgarn wird vor dem Einlaufen in den Spinnflügel befeuchtet. Feine Garne werden nass versponnen. Der Vorteil beim nassen Spinnen der Faser liegt im Aufbau der Bündelfasern. In der nassen Faser quillt der Pflanzenleim auf und wird elastisch; es kann sich also nicht nur die Bündelfaser als Ganzes verbiegen, sondern auch die einzelnen Elementarfasern können sich gegeneinander verschieben. Die Bündelfasern werden länger, feiner und flexibler, sie legen sich an den Faden an, der dadurch gleichmäßiger und glatter wird. Leinengarne weisen sehr oft Verdickungen und Unregelmäßigkeiten auf, die für Leinenstoffe typisch sind.
- Stückfärbung
Stückfärbung bedeutet, dass der Stoff als Ganzes nach dem Weben eingefärbt wurde im Gegensatz zur Garnfärbung, die vor dem Weben erfolgt.
- Weben von Leinen
Gewebt wird Leinen in der klassischen Leinwandbindung, aber auch Jacquard, Köper und andere Bindungsarten sind üblich. Batist, Schleier und Linon wurden ebenfalls aus Flachs hergestellt, man zählte sie jedoch nicht zum Leinengewebe. Beim Weben von Leinen muss für die Kettfäden ein sehr gleichmäßiges und damit teures Garn verwendet werden. Kettfäden mit den für Leinen typischen Unregelmäßigkeiten würden unter der Scheuerbelastung leiden und zu oft reißen.
5 - Eigenschaften von Leinengeweben
- Das Leinengefühl
Leinen fühlt sich kühl und frisch an, da es ein guter Wärmeleiter ist. Die Körperwärme wird schnell an die Umgebung abgegeben.
- Die Leinenfaser
ist sehr reißfest und extrem unelastisch. Aufgrund der geringen Elastizität ist Leinen knitteranfällig; die Reißfestigkeit macht das Leinen strapazierfähig und langlebig. Anfällig ist Leinen jedoch gegenüber Reibung. seine Scheuerfestigkeit ist geringer als die der Baumwolle; es sollte deswegen bei Wäsche der Schongang eingesetzt werden oder bei Handwäsche nur gestaucht und nicht gerieben werden. Leinen ist stark und muss nicht wie Baumwolle nachgestärkt werden. Es hat natürlichen Glanz und Stärke.
- Echtes Leinen
ist allerdings kochecht und wird aufgrund hygienischer Eigenschaften und der hohen Haltbarkeit auch für Arztartikel, Sommerschuhe und Schwergewebe genutzt. Dank dieser Eigenschaft wird Leinen in erster Linie für Heimtextilien, wie Möbelbezugsstoffe und für Geschirr-, Gläser-, Taschentücher- und Tischdecken verwendet. Hierbei sollten die Waschhinweise beachtet werden.
- Leinen ist nassfest
Es besitzt die höchste Nassfestigkeit von allen Naturfasern und wird daher gerne für strapazierfähige Textilien verwendet. Es ist relativ schmutzunempfindlich, weitgehend geruchsunempfindlich und vor allem flusenfrei. Auch beim Waschen verschleißt Leinen nur sehr wenig, denn es ist nass noch fester als trocken.
- Leinen knittert
Wegen der geringen Elastizität der Fasern sehr knitteranfällig. Um das Knitterverhalten zu reduzieren kann Leinen veredelt werden. Die hohe Zugfestigkeit bei geringer Eigendehnung ist für stark beanspruchte Stoffe besonders vorteilhaft. Vorsicht: Das Aussehen von Leinen kann mit Chemiefasern imitiert werden. Diese werden unter der Bezeichnung Leinenlook oder Leinenoptik angeboten.
- Leinen und Feuchtigkeit
Leinen nimmt bis zu 35 % Luftfeuchtigkeit auf und tauscht diese Feuchtigkeit auch schnell mit der Umgebungsluft aus, wirkt somit kühlend, ist dennoch trocken wärmend. Deswegen wird das Gewebe gern für Sommerbekleidung eingesetzt. Die Wasserhaltung auf der Oberfläche ist auch Ursache der antistatischen (und damit schmutzabweisenden) Eigenschaft. Leinenkleidung wurde früher seltener gewaschen, als dies bei Baumwollkleidung heute nötig ist. Dies beruht nicht nur auf veränderten Sauberkeitsgewohnheiten, sondern auch auf dem geringeren Anschmutzen der Leinenfaser.
- Leinen
Leinen hat eine sehr glatte Oberfläche, ist dadruch wenig schmutzanfällig und fusselt nicht. Leinen ist sehr strapazierfähig und im nassen Zustand noch reißfester als im trocknen. Leinen besitzt eine gute Saugfähigkeit und kann bis zu 23 % seines Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen und diese wieder sehr schnell abgeben. Leinenkleidung ist dadurch sehr gut für Sommer- und Tropenkleidung geeignet.
- Waschen von Leinen
Leinen ist gegen Waschlaugen, Waschmittel, Kochwäsche und chemische Reinigung unempfindlich. Wenn man nicht den Knittereffekt von Leinenbekleidung mag, kann man Leinen auf hoher Temperatur bügeln. Voraussetzung ist dabei notwendigerweise, dass das Gewebe noch feucht ist oder angefeuchtet wurde. Das Bügelstück sollte noch klammfeucht sein. Der Trockner ist auf jeden Fall zu meiden, denn trockene Hitze schädigt die Faser.
6 - Verwandte Materialien
- Leinen
Gegenüber anderen Bastfasern ist die Leinenfaser gut teilbar und fein verspinnbar, was sie für Wäsche und Kleidung auszeichnet. Die Leinenfaser ist glatt und das Leinengewebe schließt wenig Luft ein, so ist Leinen flusenfrei und wenig anfällig gegen Schmutz und Bakterien, die Faser ist von Natur bakterizid, fast antistatisch und schmutzabweisend.
- Hanf
Der Hanf, die Stängelfaser der Hanfpflanze Cannabis sativa, hat bei uns in den letzten Jahrzehnten ein Schattendasein geführt, obwohl er in früheren Jahrhunderten schon recht verbreitet war und mit zu den ältesten Kulturpflanzen zählt. Wegen des Rauschmittels Haschisch das aus dem Harz der weiblichen Hanfpflanzen gewonnen werden kann, kam es in Deutschland zu einem Anbauverbot. Aus Hanfgarnen kann man ähnliche Gewebe wie aus Flachsgarnen weben. Die Garne sind allerdings etwas grober und härter und haben nicht den feinen Glanz des Flachsgarnes. Dafür sind sie um etwa 20 % reißfester als die, - ohnehin schon - sehr reißfesten Flachsgarne.
- Bezeichnung und Qualität
Die CELC vergibt das «masters of linen-Siegel», ein geschütztes Warenzeichen, an Leinenprodukte aus westeuropäischem Anbau. Die vier Zeichen mit dem stilisierten ’L’ stehen für Qualitäten von Reinleinen bis Halbleinen. In Deutschland gelten laut Textilkennzeichnungsgesetz die Begriffe Flachs oder Leinen für Bastfasern aus den Stängeln des Flachses (Linum usitatissimum) und Halbleinen für Erzeugnisse mit einer Kette aus reiner Baumwolle und einem Schuss aus reinem Leinen, bei denen der Anteil des Leinens nicht weniger als 40 % des Gesamtgewichts des entschlichteten Gewebes ausmacht, wobei die Angabe ’Kette reine Baumwolle - Schuss reines Leinen’ hinzugefügt werden muss. Reinleinen muss in Kette und Schuss reine Flachsgarne enthalten. Das Kurzzeichen für den Faser-Rohstoff Flachs/ Leinen ist LI (Anteile von Rohstoffen in Mischgeweben); nur 100 % Leinen darf als ‘Leinen, rein’ bezeichnet werden (sowohl Kette als auch Schuss nur aus Leinen).
- Flachs
Flachs ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Menschheit. Da sie sehr robust ist, kann beim Anbau häufig auf umweltbelastende Pestizide verzichtet werden. Aus dem meist blassgelben Stängelbast wird die Naturfaser Leinen gewonnen. Leinen ist strapazierfähig und verfügt über einen edlen Schimmer. In der Mode wird Leinen heute besonders häufig zu Blusen, Hemden, Kleidern und Anzügen verarbeitet.
- Jute
Die Jute ist wie Flachs, Hanf und Ramie eine Stängelfaser der ostindischen Lindengewächse der ‘Rundkapsel-Jute’ und der ‘Nalta-Jute’. Die Fasern werden wie beim Leinen durch ‘Rösten’, ‘Brechen’, ‘Schwingen’ und ‘Hecheln’ gewonnen. Klassische Jutegewebe sind Rupfen, ‘Hessian’, ‘Baggings’. Jute wird wegen seiner Robustheit oft als Rückengewebe für Teppichböden oder Linoleum verwendet.
- Leinen im alten Ägypten
Flachs wurde bereits in vorgeschichtlicher Zeit zur Leinenherstellung verwendet. Darstellungen des Anbaus und der Verarbeitung von Flachs erscheinen in zahlreichen Gräbern.
Die Flachsernte konnte zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden, je nach Verwendungszweck des Flachses. Junge, grüne Pflanzen beispielsweise ergaben einen feinen Faden, reife Pflanzen starke Fasern für Seile; in der Phase, bevor der Flachs reifte, wenn die Pflanzen gelb waren, waren die Fasern am geeignetsten für die Leinenherstellung.
Das Alter der verwendeten Pflanzen beeinflusste auch die Farbe des Endproduktes, was auch durch die Art der Flachsverarbeitung bestimmt wurde. Einige Leinenstücke wurden gebleicht, um eine weiße Farbe zu erhalten. Man unterschied mehrere Leinenqualitäten: Listen aus dem Alten Reich erwähnen beispielsweise verschiedene Arten. Königliches Leinen war die höchste Qualität.
- Leinen und seine Geschichte
Leinen ist die älteste aller Faserpflanzen, die für die Herstellung von Textilien genutzt wird. Im alten Ägypten galt makellos weißes Leinen als Symbol göttlicher Reinheit. Sogar die ägyptischen Mumien aus den Pyramiden waren in Leinen eingehüllt. Gegen Ende des vorherigen Jahrhunderts wurde das Leinen von der Baumwolle verdrängt. Trotz der Entwicklungen im Natur- und Chemiefaserbereich spielt echtes Leinen bei den heutigen Modetrends wieder eine beachtliche Rolle.
Hergestellt wird Leinen aus der Flachspflanze, welche als Frucht- oder Faserpflanze angebaut wird. Die Flachspflanze ist eine einjährige Pflanze, die in den Monaten März - Juni gesät wird und nach drei Monaten geerntet werden kann. Gewonnen wird sie aus den 19 bis 60 Zentimeter langen Stengeln der Pflanze.
- Leinen
Aus der Flachspflanze gewonnene Bastfaser mit hoher Festigkeit und kühlem Griff, feinem Glanz. Stoffe aus reinem Leinen knittern stark, weshalb Leinen oft mit anderen Materialien kombiniert wird. Leinen zeichnet sich durch seine außerordentliche Festigkeit aus. Sein kühler Griff, seine Glätte, der leichte Glanz und die geringe Wärmehaltung machen Leinen zur idealen Faser für hochwertige Sommerbekleidung. Die beim Tragen entstehenden Falten betonen den lässig-eleganten Charakter. Durch Beimischung anderer Rohstoffe wird die Knitterneigung verringert.
- Leinen
Gewebe, das aus den getrockneten und versponnenen Fasern der Flachspflanze gewonnen wird. Es wird meist in enger Leinwandbindung gewebt und war im Mittelalter Material für Unterkleidung, Kleidungsfutter, Bettzeug, Stoffpanzer und vieles mehr. Da es sich relativ schwer mit damaligen Mitteln färben ließ, waren die verwendeten Farbtöne meist eher blass. Deckendere, dunkle Töne waren nur mit hohem Aufwand zu erreichen und somit nicht leicht erschwinglich.
- Linon
Der Linon ist ein Baumwollstoff der Leinen imitiert. Ausgangsmaterial ist ein ‘Cretonne’ oder ein ‘Renforcé’ - ein feiner leinwandbindiger Baumwollstoff - der dann eine leicht glänzende ‘Appretur’ erhält - also eine Beschichtung. Leider ist der Glanz nicht von Dauer, denn die Appretur wäscht sich bald aus. Verwendet wird Linon hauptsächlich für relativ preiswerte Bettwäsche. Wer einmal in Bettwäsche aus reinem Leinen geschlafen hat, wird sich allerdings nicht täuschen lassen !
- Ramie
Die Ramie gilt als ausgesprochen hochwertige ‘Bastfaser’, wird aber dennoch nur in unbedeutenden Mengen gewonnen und verarbeitet - unter anderem zu China- und Grasleinen. Es handelt sich um die Stängelfaser eines in Asien beheimateten Nesselgewächses, das bis zu zwei Meter Höhe heranwachsen kann. Die Faser ist außerordentlich fein, muss nicht bebleicht werden weil sie von Natur aus schneeweiß ist und lässt sich deshalb zu feinsten Geweben 75-100 g/m² wie Batiste und Voiles verweben. Wegen ihrer Faserlänge und hohen Reisfestigkeit wird Ramie ab und zu mit Flachs zu besonders hochwertigen Leinengarnen versponnen.
7 - Webarten für Leinengewebe
- Leinenstreifen
Die Streifenbildung eines Stoffes kann quer oder längs laufen, meistens läuft sie jedoch längs und wird durch den gruppenweise Wechsel der ‘Kett’fäden gebildet. Leinenstreifen sind sehr beliebte Stoffe, in normaler Tuchbindung, naturfarben oder gefärbt, für Kleidung und Dekoration, auch in Atlasbindung gebleicht für festliche Tischwäsche.
- Leintuch
Der Begriff Leintuch steht für alle einfachen Leinengewebe in Tuch- oder Leinwand-Bindung, gleichzeitig wird unter Leintuch auch das Tuch verstanden welches bei der Bettwäsche auf die Liegefläche gelegt oder gespannt wird. Der Begriff Tuch alleine hat sich davon abgelöst und bezeichnet im Textilhandel einen hochwertigen Wollstoff in Leinwandbindung. Tuche sind meist Stoffe für gediegene Herrenkleidung und beim ‘Tuchhändler’ findet man ausschließlich solche ‘Herrenausstatter-Stoffe’.
- Leinwandbindung
Leinwand-, Tuchbindung oder Taftbindung ist die einfachste der drei Grundbindungen. Die am häufigsten bei Leinen zu findende Bindung besteht aus einem abwechselnd jeweils unter- und übereinander verlaufenden Kettfaden und Schussfaden. Je nach Faser und Garn wirkt Leinwandbindung sehr glatt, ist aber sehr knitteranfällig und eignet sich schlecht für Zierfalten. Außerdem ist Leinwandbindung sehr schlecht dehnfähig.
- Rautenstreifen
ist ein ‘Kett’streifen der in bestimmten Abständen zur optischen Rytmisierung kleine hochstehende Rauten - in Köperbindung - eingewebt hat. Der Rautenstreifen aus Leinen wird gerne als Trachtenstoff verwendet, er wird gebleicht oder garngefärbt, mit Gewichten zwischen 150 und 200 g/m² gewebt.
- Schusspfauenauge
Schusspfauenauge - oder auch ‘Vogelauge’ - nennt man eine Stoffmusterung die entsteht, wenn eine achtschäftige Bindung in ‘Kett’ und ‘Schuss’ mit der Farbfolge zwei hell - zwei dunkel gewebt wird. Es ergibt sich dann eine augenartige Aussparung im Gewebe die sich rhythmisch wiederholt, beim Schusspfauenauge quer zum Stoff.
- bi-color
Kurzbezeichnung für Gewebe mit Garnfärbung bei denen durch die Verkreuzung von zwei Garnfarben, beispielsweise Kette - rot / Schuss - orange, ein changierend-lebendiger Farbeffekt erzeugt wird.
- tri-color
Beim Tricolor werden drei verschiedenfarbige Garne zu einem lebendig vibrierenden Gesamtfarbton verwebt.
- Waffel-Piqué
Der Waffel-Piqué zeigt eine Musterung aus plastisch hervortretenden kleinen Quadraten, was deutlich an eine Waffel erinnert. Im Englischen heißt der Waffel-Piqué auch ‘Honeycomb’ - ‘Honigwabe’. Die Waffelbindung ist eine sehr ausgeklügelte Kombination von ‘Kett’ und ‘Schuss’köper. Der Waffel-Piqué eignet sich durch sein vergrößertes plastisches Volumen besonders gut zum Reiben und zur Aufnahme von Feuchtigkeit. Bei einem Waffel-Piqué aus 100 % Leinen werden diese beiden Qualitäten durch die speziellen Eigenschaften der Leinenfaser noch gesteigert, weshalb Waffel-Piqué aus Leinen mit Vorliebe für Badetextilien verwendet werden. Siehe auch unter Leinenfrotté.